Heißes Duell gegen die Herrsching-Wundertüte
- Laurenz Lakotta

- 15. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Nach dem spektakulären 36:36-Unentschieden gegen den TuS Fürstenfeldbruck II steht für den TSV Sonthofen am kommenden Sonntag das Auswärtsspiel beim TSV Herrsching II an. Anwurf ist um 18:30 Uhr in der Nikolaushalle Herrsching.
Auf dem Papier scheint die Sache klar: Tabellenplatz sieben gegen Tabellenletzter. Doch wer die Liga kennt, weiß, dass die zweite Mannschaft des TSV Herrsching ein ganz besonderer Gegner ist – und sich die Sonthofer keineswegs von der Tabelle blenden lassen dürfen.
„Herrsching ist einfach schwer einzuschätzen“, erklärt Trainer Cristian Savlovschi. „Mal treten sie mit einer jungen, unerfahrenen Truppe an, mal mit mehreren Spielern aus der Oberligamannschaft. Da kann man sich auf alles einstellen – nur nicht auf Routine.“
Tatsächlich ist Herrsching II eine der großen Wundertüten der Bezirksoberliga. Die bisherigen Ergebnisse sprechen für sich: Eine deutliche 24:39-Niederlage in Isar-Loisach, ein 25:34 zuhause gegen Würm-Mitte, dann aber eine knappe 28:30-Auswärtspleite in Landsberg – und zuletzt 29:38 gegen Tabellenführer Kempten-Kottern. Zwar steht die Reserve aktuell mit 0:12 Punkten am Tabellenende, doch die Gegner waren durchweg Schwergewichte der Liga.
Auch Kapitän Andy Dahm mahnt zur Vorsicht: „Wenn Herrsching mit Verstärkung aus der Oberliga antritt, dann ist das ein ganz anderes Niveau. Da darf man sich von der Tabelle nicht täuschen lassen. Wir müssen unser Spiel durchziehen und uns auf unsere Stärken konzentrieren.“
Sonthofen selbst zeigte zuletzt Licht und Schatten. Gegen Fürstenfeldbruck lieferte das Team einen echten Handball-Krimi ab, kämpfte sich nach zwischenzeitlichem Fünf-Tore-Rückstand noch zurück und sicherte sich in letzter Sekunde den verdienten Punkt. Dennoch bleibt Trainer Savlovschi realistisch: „Wir haben in der Abwehr immer wieder zu viele einfache Fehler gemacht. Wenn wir das in Herrsching wiederholen, wird es schwer, Punkte mitzunehmen.“
Positiv ist, dass der TSV erneut mit großem Kampfgeist und Moral überzeugte. Vor allem Marcel Heil übernahm in den entscheidenden Phasen Verantwortung und führte sein Team an. Seine 13 Treffer und zahlreichen Assists unterstrichen seine zentrale Rolle im Angriff. Doch auch er weiß, dass die Aufgaben nicht leichter werden: „In Herrsching müssen wir von Anfang an konzentriert sein. Die spielen zuhause oft mit viel Tempo, und wenn man da nicht wach ist, kann’s schnell in die falsche Richtung laufen.“
Der Sonthofer Kader dürfte am Wochenende erneut knapp besetzt sein. Einige Spieler kämpfen noch mit Blessuren oder beruflichen Verpflichtungen, wodurch die Trainingsbeteiligung zuletzt eingeschränkt war. Savlovschi sieht das aber pragmatisch: „Wir nehmen, was wir haben – und holen das Maximum raus. Das Team hat gezeigt, dass es Charakter hat. Genau das brauchen wir jetzt wieder.“
Die defensive Stabilität soll in Herrsching wieder im Fokus stehen. Nach der Roten Karte für Aleks Italo und dem Fehlen von Dalibor Italo (Sperre) wird Savlovschi seine Abwehr neu ordnen müssen. „Wir müssen in der Defensive cleverer agieren“, so der Coach. „In den letzten Spielen waren wir oft einen Schritt zu spät – das dürfen wir uns diesmal nicht leisten.“
Offensiv setzt Sonthofen weiterhin auf seine dynamischen Rückraumspieler. Neben Heil zeigte zuletzt auch Sean Pauw ansteigende Form, und Redzo Kahric sorgte mit seinem nervenstarken Siebenmetertor nach der Schlusssirene gegen Fürstenfeldbruck für Jubel in der Allgäu-Halle.
Der Blick auf die Tabelle zeigt: Mit 5:7 Punkten liegt Sonthofen aktuell im Mittelfeld, aber nur ein paar Zähler über der Abstiegszone. Ein Sieg in Herrsching wäre deshalb doppelt wichtig – sowohl für das Selbstvertrauen als auch für die tabellarische Sicherheit.
„Wir wissen, dass uns ein hartes Stück Arbeit erwartet“, betont Heil. „Aber genau solche Spiele brauchst du, um zu wachsen. Auswärts, gegen einen unangenehmen Gegner, wo du dich voll durchbeißen musst. Wenn wir geschlossen auftreten und unsere Chancen nutzen, können wir da was holen.“
Savlovschi fasst es abschließend gewohnt nüchtern zusammen: „Es gibt keine einfachen Spiele in dieser Liga. Aber es gibt Spiele, die man sich erarbeiten kann – und das ist genau so eins.“



